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Trotz Umsatzstabilisierung – Anzeigenblattbranche kämpft um flächendeckende Informationsversorgung

2021 ist die Gesamtauflage kostenloser Wochenblätter in Deutschland dauerhaft um zehn Prozent gesunken. Diese Entwicklung ist auf die Einstellung von Titeln in Folge der Coronakrise und steigender Kosten zurückzuführen. Doch die Pandemie bleibt nicht die einzige Herausforderung für die Branche.

Mit insgesamt 58,9 Mio. Exemplaren erreichen die kostenlosen Wochenzeitungen in Deutschland so viele Menschen wie kein anderes gedrucktes Medium. Doch die Coronapandemie hat auch in dieser Branche ihre Spuren hinterlassen und zu Einstellungen von Titeln geführt. Dies zeigt die vom Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) durchgeführte Erhebung zur Auflagenentwicklung. Nichtsdestotrotz bleibt die flächendeckende Versorgung mit kostenlosen Wochenzeitungen bisher gesichert, da es sich hierbei meist um Regionen handelt, in denen die Haushalte nun einen, statt zuvor zwei Titel pro Woche erhalten. So zählt die Anzeigenblattbranche insgesamt mit 856 Titeln deutschlandweit nun über 100 Titel weniger als im Vorjahr.

Gedruckte Presse für Gesellschaft und Handel unerlässlich

Doch nicht nur den Folgen der Coronapandemie sieht sich die Branche ausgesetzt. So ist 2021 das Niveau des Gesamtumsatzes in der Anzeigenblattbranche mit 1.198 Mio. Euro zwar nahezu gleichgeblieben, gleichzeitig steigen die Kosten jedoch stark an. 69 Prozent der Leserinnen und Leser wünschen sich ihr Anzeigenblatt auch zukünftig in gedruckter Form. Die hierfür nötige Infrastruktur ist aufwendig und mit hohen Kosten verbunden. Steigende Papier- und Zustellkosten werden die Lage ausschließlich werbefinanzierter Presseprodukte zusehends verschlechtern. „Die für diesen Herbst beschlossene Anhebung des Mindestlohnes stellt die Gattung der kostenlosen Wochenblätter vor ernsthafte Herausforderungen“, so BVDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Jörg Eggers.

Doch kostenlose Wochenzeitungen stellen nicht nur einen wichtigen Kanal für lokale Berichterstattung dar. „Für die Menschen steigen die Kosten für den wöchentlichen Einkauf spürbar. Kostenlose Wochenzeitungen stellen gerade jetzt eine wichtige Orientierungshilfe für Konsumentinnen und Konsumenten dar und bilden durch die hohe Reichweite für Werbekunden eine zentrale Säule der Handelskommunikation“, sagt Sebastian Schaeffer, Geschäftsführer und verantwortlich für das Ressort Markt und Media beim BVDA.

Luft für unabhängigen Lokaljournalismus wird dünn

65 Prozent der gesamtdeutschen Auflage der kostenlosen Wochenblätter sind 2021 im BVDA organisiert. Damit ist der Dachverband der Anzeigenblattverlage die starke Stimme der Branche. Eggers sieht darin einen klaren Auftrag: „Kostenlose Wochenblätter stellen die lokale Informationsversorgung sicher und erreichen auch diejenigen, die sich keine kostenpflichtigen Presseprodukte leisten können oder wollen. Daher ist unser erklärtes Ziel als BVDA, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Anzeigenblättern herauszustellen und die dringend erforderliche staatliche Förderung durchzusetzen.“

Bereits in der letzten Legislaturperiode war eine Presseförderung im Koalitionsvertrag vorgesehen, die jedoch nicht zur Umsetzung kam. Auch die neue Bundesregierung hat das Thema auf die Agenda genommen, Ausgestaltung und Umsetzung sind jedoch noch offen. „Findet die Politik keine Lösung zum Schutz kostenloser Presseprodukte und damit zur Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit, werden weiße Flecken, die nicht mit lokalen Informationen durch kostenlose Wochenzeitungen versorgt werden, unumgänglich sein“, so Eggers weiter.
www.bvda.de

 

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