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Neuer Motor für den Strukturwandel in Niedersachsen | Minister Thümler übergibt Bewilligung für Erforschung regionaler Probleme

Am Mittwoch, 19.1.2022, hat Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, die Bewilligung für einen großes Forschungs-Verbundprojekt überreicht. Sein Ministerium fördert das Vorhaben mit sechs Millionen Euro. An der Universität Vechta nahmen die Präsident*innen der drei antragstellenden Hochschulen die Bewilligung entgegen. Damit ist das Forschungsprojekt „4N“ für gesellschaftliche, technologische und ökologische Transformationen in Niedersachsen gestartet.

Die beteiligten niedersächsischen Hochschulen formen dabei einen neuen Zusammenschluss, der dringende Probleme im Nordwesten des Bundeslandes lösen soll. Den Kern des Verbunds bildet die Universität Vechta zusammen mit der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth und der Hochschule Emden/Leer. Zusätzlich sind Forschende der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Georg August Universität Göttingen eingebunden. Über vier Jahre erforschen sie aktuelle Herausforderungen zum Strukturwandel im ländlichen Nordwesten Niedersachsens und setzen gesellschaftliche, technologische sowie ökologische Transformationen in Gang.

Großer Bedarf an Lösungen für ländlichen Raum

Der neue Zusammenschluss der drei Hochschulen trägt den Titel „Forschungsverbund 4N: Nordwest Niedersachsen Nachhaltig Neu“. Mit der Übergabe der Bewilligung durch Minister Thümler kann er nun seine Arbeit aufnehmen, um Transformation und Strukturwandel im ländlichen Raum Nordwestdeutschlands zu erforschen und weiterzuentwickeln.

Der Bedarf an Antworten in der Region ist groß. Der Südoldenburger Raum etwa ringt mit Kapazitätsgrenzen, die sich für hochproduktive Intensivlandwirtschaft ergeben. Der industriell geprägte Raum um Emden wiederum steht vor Problemen des Strukturwandels während verkehrsmäßig weniger erschlossene ländliche Gebiete demografisch abgehängt werden und andererseits Teile der Küste Ostfrieslands touristisch überlaufen sind. Für solche Probleme wollen nun die Hochschulen Antworten entwickeln – gemeinsam mit den Menschen vor Ort.

Entsprechend hob Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, die Bedeutung des 4N-Verbundprojekts hervor: „Der Verbund greift in seiner Zielsetzung die Besonderheit der ausgeprägt unterschiedlichen Nutzungsarten im Nordwesten Niedersachsens auf, die jeweils an die Grenzen ihrer Potenziale stoßen: die Intensivlandwirtschaft im Südoldenburger Raum, der Tourismus im Küstenraum der Ostfriesischen Inseln sowie der industriell geprägte Raum um Emden“, erläuterte der Minister am Mittwoch in Vechta. „Er verfolgt dabei das Ziel, gesellschaftliche, technologische und ökologische Transformationen hin zu zukunftsorientierten, nachhaltigen Lebenszusammenhängen zu initiieren, zu begleiten und zu evaluieren. Damit trägt der Verbund unter Beteiligung der Akteure vor Ort entscheidend zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Lebensverhältnisse in den genannten Regionen bei und stellt sich der Notwendigkeit, Antworten auf sich existenziell veränderte Daseinsbedingungen zu finden.“

Wissenschaft arbeitet mit Akteur*innen der Region zusammen

Das Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass es zahlreiche Verbindungen zwischen Bürger*innen, Unternehmen und Politik schafft, um Lösungen an der Lebenswirklichkeit zu entwickeln. Zunächst erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, was genau die treibenden Faktoren für die Transformation im niedersächsischen Nordwesten sind. An der praktischen Umsetzung arbeiten sie mit Akteurinnen und Akteuren in der Region zusammen. Dazu gehören auch die „Reallabore“, in denen Innovationen und neue Regulierungen für innovative Technologien, Produkte, Dienstleistungen oder Ansätze unter realen Bedingungen erprobt werden können. Mit Beteiligung verschiedener Wissenschaftsdisziplinen werden beispielsweise Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum untersucht, die Erreichbarkeit medizinischer Versorgungseinrichtungen, Lösungen für die Landwirtschaft unter veränderten Klimabedingungen und neue Bildungskonzepte für Nachhaltige Entwicklung verfügbar gemacht.

Diese Zusammenarbeit zwischen Bürger*innen, Wirtschaft und Politik lasse eine lebendige, innovative Forschungspraxis entstehen, fügte die Präsidentin der Universität Vechta, Prof.‘in Dr.‘in Verena Pietzner, hinzu. „Die enge Verzahnung mit der Region ist eine große Besonderheit, die es uns ermöglichen wird, die vielfältigen Aspekte der Transformation möglichst genau zu erfassen. Das bedeutet, dass wir in der Region durch den Verbund 4N sehr viel über die unterschiedlichen Zusammenhänge zwischen Bereichen wie Mobilität, demographischer Wandel, Klimafolgen und Strukturwandel lernen werden.“ Die Universität Vechta habe es sich auf Basis ihres Hochschulentwicklungsplanes zur Aufgabe gemacht, zukünftige Generationen zu befähigen, komplexe Herausforderungen in ländlichen Räumen in einer globalisierten Welt zu bewältigen. Deshalb sei sie sich sicher, „dass wir mit unseren Forschungsprojekten einen guten Beitrag zur Transformation des Nordwestens und zur Profilierung der Hochschulstandorte leisten können“, so Präsidentin Pietzner.

Verstehen lernen, was Transformation antreibt

Die Präsidentin bezog sich damit auf einen außergewöhnlichen Aspekt des Verbundprojekts, das nachhaltige Ziele nicht nur in begrenzten Bereichen behandelt. Stattdessen werden die Wechselbeziehungen zwischen den Bereichen untersucht, in denen heute starke Veränderungsprozesse stattfinden. Das betrifft beispielsweise die demografische Situation, wirtschaftliche Potenziale, infrastrukturelle Gegebenheiten oder die kulturelle und landschaftliche Lage. Darüber werden Lösungen für konkrete Herausforderungen entwickelt Sie werden etwa für den landwirtschaftlichen Strukturwandel und die Klimawandel-Anpassung nützlich oder für die Raumplanung und Regionalentwicklung, für Mobilität in ländlich-urbanen Räumen, Gesundheit und Pflege, Transformative Bildung und Lernwerkstätten für eine nachhaltige Entwicklung.

Auch der Präsident der Hoschule Emden/Leer sprach von einer großen Wichtigkeit, den ländlichen Raum in einem Netzwerk vereint voranzubringen. „Der ländliche Raum abseits der großen Metropolen birgt große Chancen im Hinblick auf die erfolgreiche Gestaltung des Strukturwandels“, so Prof. Dr. Gerhard Kreutz. „Es ist ein großer Vorteil, die damit verbundenen Herausforderungen im Verbund mit starken Partnern angehen zu können.“

Dem stimmte der Vizepräsident für Forschung der Jade Hochschule zu. „Das Projekt zeigt einmal mehr, dass die komplexen Problemstellungen unserer Zeit am Besten in einer interdisziplinären Kooperation zu bearbeiten sind“, so Prof. Dr. Holger Saß bei der Bewilligungsübergabe in Vechta.
www.uni-vechta.de

 

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