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Einkauf und Ernährung nach dem Lockdown: Weniger Außer-Haus-Konsum, gesteigertes Preisbewusstsein

unigoett med pic 45faace12720200917111725Göttinger Forscherteam untersucht Verhalten und Einstellungen von Verbrauchern in Deutschland in den unterschiedlichen Phasen der Corona-Pandemie

Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingen erheben seit Mitte April in einer deutschlandweiten Konsumentenbefragung, wie sich die Corona-Pandemie auf das Einkaufs-, Ernährungs- und Kochverhalten auswirkt. Mitte Juni, zu einem Zeitpunkt mit geringen Infektionszahlen und zunehmenden Lockerungen, wurden dieselben Konsumentinnen und Konsumenten noch einmal befragt. Ein Vergleich der Daten zeigt in einigen Bereichen einen Rückgang zu den Verhaltensmustern wie vor der Corona-Pandemie. Die Menschen kochten weniger zuhause, dafür gingen sie wieder häufiger einkaufen. Andere Aspekte blieben stabil, wie die gestiegene Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Lebensmittelwahl und die gestiegene Präferenz für die heimische Landwirtschaft. Die Ergebnisse sind in einem Diskussionspapier am Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen erschienen.
Die Studie ist als Panelstudie angelegt, sodass zur Befragung im Juni nur diejenigen Personen eingeladen wurden, die bereits im April 2020 an der ersten Befragung teilgenommen hatten. Insgesamt flossen die Antworten von 603 Befragten in die Auswertung ein. Die Stichprobe entspricht weitgehend der deutschen Bevölkerung bezüglich Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung und geographischer Verteilung. Eine dritte Erhebung folgt im weiteren Verlauf der Corona-Pandemie. Die zweite Erhebung nahm zudem Fragen zur Gastronomie, zur Bevorratung im Haushalt und zu den Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft auf.
Ein neues Ergebnis ist ein gesteigertes Preisbewusstsein der Befragten. 28 Prozent der Befragten gaben an, während der Corona-Pandemie mehr Geld für Essen auszugeben. Über 40 Prozent sagten, dass sie vermehrt auf Sonderangebote achten und 30 Prozent, dass sie vermehrt günstige Lebensmittel einkaufen. „Eine mögliche Erklärung ist die Verschiebung vom Außer-Haus-Konsum in den Haushaltsbereich, weshalb viele Menschen stärker wahrnehmen, mehr Geld beim Lebensmittelkauf auszugeben“, kommentiert Erstautorin Dr. Gesa Busch diese Zahlen. „Überraschend war zudem, dass trotz der Erfahrung leerer Supermarktregale zu Beginn der Pandemie nur etwa 44 Prozent der Befragten Haushaltsvorräte für mindestens zehn Tage zu Hause haben.“ Das Vertrauen in die Ernährungssicherung ist bei den meisten Menschen nach wie vor sehr hoch.
Ein Blick auf die Gastronomie zeigt, dass die Befragten nur zögerlich den Außer-Haus-Verzehr wiederaufnehmen. Mitte Juni hatte erst ein Drittel wieder einen Gastronomiebetrieb besucht. Allerdings sieht die Hälfte der Befragten eine Notwendigkeit, die Gastronomie durch einen Besuch zu unterstützen. „Insgesamt zeichnet sich eine schwierige Zukunft insbesondere für die klassische Gastronomie ab“, so Prof. Dr. Achim Spiller, Leiter der Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen.
„Für die Fleischwirtschaft verdeutlicht unsere Studie allerdings noch stärkere Krisenanzeichen“, so Spiller. Die Corona-Ausbrüche in fleischverarbeitenden Betrieben haben die Aufmerksamkeit der Gesellschaft und der Politik auf die Arbeitsbedingungen der dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelenkt. Gefragt nach unterschiedlichen Aspekten der Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen, schätzen die Befragten diese durchweg als negativ ein. Dabei lässt sich kein Unterschied zwischen den direkt mit den Corona-Ausbrüchen verbundenen Punkten, wie der Infektionsgefahr, und allgemeinen Aspekten, wie der hohen Arbeitsbelastung, feststellen. Die Corona-Ausbrüche haben das ohnehin schlechte Image der Branche damit nochmals breit angegriffen.
www.uni-goettingen.de

 

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