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Wie heben wir den Digitaldruck bei Verpackungen aus Wellpappe auf ein neues Niveau?

Von Robert Seay, bei Georgia-Pacific Vice-President für Strategie und Wachstum im Digitaldruck

Schon lange verspricht der Digitaldruck in der Wellpappenindustrie einen umfassenden Wandel. Zwar wurden inzwischen deutliche Fortschritte erzielt. Doch nach wie vor deckt der Digitaldruck nur einen kleinen Teil der Anforderungen ab, die das Bedrucken von Wellpappe mit sich bringt. Es bedarf neuer Ansätze, um den Digitaldruck in der Herstellung von Verpackungen aus Wellpappe auf eine breitere Basis zu stellen und hier seine Wertigkeit zu erhöhen.

Die Umstellung auf den Digitaldruck ist ein Versprechen, auf dessen Erfüllung die Wellpappenindustrie seit vielen, vielen Jahren wartet. Ein Grund für die Verzögerung könnte sein, dass die Anforderungen der Branche als monolithisch wahrgenommen werden und der Digitaldruck als Lösung angepriesen wird, die alle ihre Anforderungen abdecken kann. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Notwendigkeiten in der Wellpappenindustrie und denen, die Digitaldrucklösungen in anderen Marktbereichen abdecken.

Die Realität ist erheblich komplexer. Tatsächlich gibt es in verschiedenen Einsatzbereichen und Teilmärkten Fortschritte. Das gilt unter anderem für die hohe Druckqualität, für die Herstellung von Mustern (Mock-ups), Displays und Kleinauflagen, für den Großformat- und den beidseitigen Druck sowie für die Effizienz der Lieferketten einschließlich der Durchlaufzeiten. In anderen Bereichen wie der Personalisierung und dem Druck mit variablen Daten ist der Wandel dagegen bislang ausgeblieben. Generell deckt der Digitaldruck bei bedruckten Verpackungen aus Wellpappe nach wie vor lediglich einen Bruchteil des Gesamtmarktes ab. Damit sich das ändert, müssen wir die Frage nach dem „Warum“ stellen und die Lücken schließen, die es aktuell bei angebotenen Lösungen gibt.

Wie bereits angedeutet, sind die verschiedenen Einsatzbereiche des Digitaldrucks vielschichtig und „die“ eine Digitaldrucklösung, die für alle Bedruckstoffe, Materialkombinationen und Formate geeignet ist, gibt es nicht. Die spezifischen Anforderungen an Druckerzeugnisse wie Farbbeständigkeit, Farben, Überdrucklacke, Abriebbeständigkeit, Haltbarkeit und Klebefähigkeit spielen alle eine Rolle bei der Frage, was mit bestimmten Digitaldrucklösungen machbar ist und was nicht. Weisen Druckmaschinen Einschränkungen auf, könnte das bedeuten, dass sich mit ihnen bestimmte Produkte nur in begrenzten Mengen oder in bestimmten Situationen produzieren lassen – aber nicht in großem Umfang und bei effizienten Kosten.

Der Digitaldruck sollte und soll den gesamten Gestaltungs- und Druckprozess sowie die Produktentwicklung in der Wellpappenindustrie vereinfachen, verschlanken und beschleunigen. Am erfolgreichsten ist der Digitaldruck in dieser Branche in Bereichen, in denen eine Umstellung notwendig war: etwa in der Herstellung von Mustern (Mock-ups), Displays und Kleinstauflagen. Doch will der Digitaldruck den Großteil des Marktes abdecken können, muss er sich mit dem auseinandersetzen, was der analoge Druck Tag für Tag in geeigneter Weise leistet.

Dieser wurde schrittweise optimiert und bietet heute die Qualität, Produktivität, Zuverlässigkeit, Lebensdauer der Maschinen und die Kostenstruktur, die der Markt akzeptiert. Es wurden verschiedene Produktionsabläufe entwickelt, die unterschiedliche Produktanforderungen unterschiedlich effizient abdecken. Folglich muss der Digitaldruck etwas besser oder etwas Anderes leisten können, damit er einen größeren Nutzen als der analoge Druck bietet.

Schließlich muss der Digitaldruck auch den wichtigsten Trends und den Anforderungen von morgen gerecht werden. Zu diesen zählen kurze Durchlaufzeiten, kleine Auflagen (aus vielen verschiedenen Gründen), Effizienz in den Lieferketten, E-Commerce, leichte Bauweise, Nachhaltigkeit und Automatisierung. Das alles könnte digitale Lösungen in Zukunft attraktiver machen.

Das vorherrschende Thema im Digitaldruck sind die Produktionskosten für bestimmte Auflagen im Vergleich zu analogen Alternativen. Soll sich der Digitaldruck in der Breite etablieren können, muss er über die Kosten der Verbrauchsmaterialien hinausblicken. Vielmehr muss er die Kosten seiner gesamten Wertschöpfungskette verringern – einschließlich der Betriebs- und Wartungskosten, des Investitionsbedarfs, der Lebensdauer der Maschinen und aller anderen Schritte oder Teilbereiche, in denen die Effizienz erhöht werden kann. Generell zeichnet sich der Digitaldruck durch einen Nachteil hinsichtlich der Amortisation der Investitionen in die gesamten Lösungen aus, die seine Infrastruktur erfordern. Sicherlich kann der Digitaldruck in den bereits identifizierten Marktsegmenten funktionieren und hier Mehrwert schaffen. Doch soll er größere Auftragsvolumina abdecken können, muss er entweder einen neuen Mehrwert schaffen und/oder seine Kostenstruktur verbessern. Nur so kann er gegenüber den optimierten analogen Verfahren wettbewerbsfähig sein.

Erfreulicherweise wird derzeit eine neue Generation von Lösungen entwickelt. Diese werden hoffentlich einige der erforderlichen Verbesserungen mit sich bringen. Dann werden sie sich die Marktsegmente erschließen können, in denen die Digitalisierung Mehrwert bieten kann. Diese Lösungen berücksichtigen die gesamte Wertschöpfungskette, sie reduzieren die Zahl der Arbeitsschritte und verbessern generell die Wirtschaftlichkeit – statt sich nur mit dem Druck zu befassen.

Für diejenigen unter uns, die sich für den Digitaldruck und die möglichen Veränderungen in der Wellpappenbranche einsetzen, ist das Tempo der Fortschritte sowohl ermutigend als auch enttäuschend. Es gibt einige große Erfolge, aber es bleibt nach wie vor viel zu tun, um die vollständige Transformation herbeizuführen, die alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten brauchen. Diese Verbesserungen und neuen Lösungen können nicht schnell genug kommen. Man darf gespannt sein, was auf der drupa 2024 angekündigt und gezeigt werden wird, um den digitalen Wandel in der Branche weiter voranzutreiben.

www.drupa.com

 

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